Mittwoch, 18. Mai 2011

Tiere auf der Hand

 Vertrauen

Viele Menschen regen sich auf, dass ihre Tiere (ich rede hier von kleinen Tieren) einfach nicht auf die Hand kommen. Sie sagen das dann immer so, als ob ihr Tier besonders ungezogen,störrisch oder dumm wäre.

Was sich aber irgendwie keiner dieser Menschen überlegt ist, dass es jede Menge Vertrauen verlangt auf eine Hand zu kommen die (bei einer Maus) bestimmt sieben Mal so groß ist wie der eigene Körper. Auf eine Hand zu kommen die an einem Körper hängt in den die Maus tausende Male reinpassen würde. Eine Hand die ein so kleines Wesen ohne Probleme mit einer einzigen Bewegung zerquetschen könnte. Es ist ein absolutes Privileg, wenn ein Tier auf unsere Hand kommt und sich hoch heben lässt.

Man kann von keinem Tier erwarten, dass es sich einfach anfassen lässt oder gar auf die Hand kommt. Wir laufen schließlich auch nicht gerne blind in die Höhle des Löwen, es sei denn es ist ein sehr lieber Löwe dem wir vertrauen. Vertrauen ist nicht einfach da, Vertrauen muss aufgebaut werden und ist sehr kostbar. Ohne Vertrauen kann man keine gute Beziehung zu einem Tier oder Menschen aufbauen.

Jedes Tier ist anders. Das eine fasst schnell vertrauen das andere nur ganz langsam und manche auch gar nicht. Damit muss der Mensch nun mal umgehen können. Vertrauen kann nicht erwartet werden, Vertrauen ist einfach ein wundervolles Extra über das man sich freuen kann wenn es entsteht.

Kastra-Aktion

Schnipp- Schnapp


Da das Tierheim in dem ich schon seit einigen Jahren ehrenamtlich arbeite von sich aus keine Kaninchen kastriert (wahrscheinlich ist einfach nicht genügend Geld da), müssen die kleinen Racker oftmals alleine sitzen. (Da reine Bockgruppen und Weibchengruppen sich nach der Geschlechtsreife oft zerstreiten ist nur eine Haltung von von ein oder mehreren kastrierten Rammlern mit ein oder mehreren Weibchen, oder eine Gruppe aus nur kastrieren Böcken möglich.) Vor ein oder zwei Jahren, hab ich mit ein paar Freundinnen eine Tierkasse eingeführt, bei der wir (natürlich auf freiwilliger Basis) jeder ein mal im Monat 50ct einwerfen. Auch wenn wir gerade zu viel Kleingeld haben kommt das da rein. Warum eine Tierkasse? Ganz einfach weil es immer wieder Fälle oder sogar Notfälle gibt, bei denen man gerne helfen möchte, aber ganz einfach die Mittel fehlen (jaja das liebe Geld). Dafür lohnt es sich so eine Kasse anzulegen und immer auf solche Fälle vorbereitet zu sein. Ob private Notfälle oder Notfälle im Ausland, in Tierheimen, Bekanntenkreisen oder wo sonst so, es wird immer abgestimmt ob wir das Geld dafür verwenden. Wir nehmen es aber nicht nur für Notfälle sondern auch zur Unterstützung von Organisationen oder für unsere eigenen Projekte wie jetzt. 

Unser Plan ist es alle männlichen Kaninchen die im Moment im Tierheim sitzen kastrieren zu lassen. Also haben wir mal wieder abgestimmt und alle waren einstimmig dafür das Geld für die Aktion zu verwenden. Nachdem wir dann alle noch was dazu gesteuert hatten (ja Kastrationen sind nicht ganz billig), wir das Okay von der Tierheimleitung gekriegt haben, dass wir das überhaupt machen dürfen und die Tierheimleitung dann den Tierarzt schon mal vorgewarnt hat, dass er demnächst einige Kaninchen kastrieren muss, nach alledem ist es jetzt endlich soweit... sobald ich das Geld abgegeben hab werden die ersten Termine zum kastrieren ausgemacht. 

Was wir mit dieser Aktion überhaupt erreichen wollen:

1. Dass die Tiere endlich in Gesellschaft leben können (nach 6 Wochen ist das problemlos möglich -allerdings wirklich erst 6 Wochen nach der Kastration da die Männer in der Zeit noch Kinder zeugen können.)

2. Wir wollen ihnen höhere Vermittlungschancen bieten. (Wer nimmt schon einen Kaninchenbock wenn er erst mal ca. 40€ für die Kastration ausgeben muss?)

Dienstag, 17. Mai 2011

Ratten und Mäuse - die Gerüchte halten sich hartnäckig.

10 Irrtümer, im Zusammenleben mit Ratten und Mäusen:

      1. Ratten und Mäuse sind total dreckige Tiere weil sie in staubigen Ecken hausen.
Richtigstellung: Ratten und Mäuse sind in keinem Fall dreckig. Diese Tiere legen sehr auf ein sauberes Äußeres wert, deshalb sind sie auch oft beim gründlichen putzen zu beobachten.
Dabei wird vom Kopf bis Pfötchen alles unter die Lupe genommen und genauestens gereinigt. Außerdem ist die Gefahr, dass die Ratte/ Maus sich beim Menschen eine Krankheit holt viel wahrscheinlicher als anders herum.

      2. Ratten und Mäuse haben voll den ekelhaften nackten Schwanz.
Richtigstellung: Wer sich einen Mäuse- oder Rattenschwanz mal genau angeschaut hat, entdeckt darauf feinste Härchen die in Richtung des Schwanzendes verlaufen.

      3. Meine Ratte/Maus ist nicht allein, sie hat ja mich.
Richtigstellung: Mäuse sowie Ratten sind sehr soziale Tiere, deshalb sind ein oder besser mehrere Mitbewohner unabkömmlich. Wir Menschen schieben gerne die Ausrede, dass das Tier ja schon uns hat vor. Aber können wir mit dem Tier kommunizieren? Können wir mit ihm das Nest teilen und Wärme geben? Können wir es rund um die Uhr betreuen, mit ihm fressen und die Rangordnung klären? Nein das können wir nicht. Der Mensch nimmt das Tier vielleicht 2-3 Stunden am Tag aus seinem Käfig und was ist mit der anderen Zeit? Der Tag ist immerhin 24 Stunden lang. Sein Tier auf diese Weise zu vernachlässigen, fällt für mich auf alle Fälle unter Tierquälerei. Diese Tiere brauchen mindestens einen Artgenossen um glücklich zu werden!

      4. Ratten und Mäuse sind kleine Tiere, deswegen reicht auch ein kleiner Käfig.
Richtigstellung: Das ist absolut falsch! Wer glaubt ein Mäuse- oder Rattenrudel in einem dieser handelsüblichen Käfige artgerecht halten zu können der hat sich heftig geschnitten. Oft haben Mäusekäfige nur die Maße von 40x30x30. DAS IST VIEL ZU WENIG! Ratten wie Mäuse sind Tiere die sehr viel Platz brauchen.  Sie wollen viel laufen ,klettern und beschäftigt werden. Wem etwas an seinen Tieren liegt, baut selbst einen großen Käfig.  Für ein Mäuserudel mit 4 Tieren wird ein Maß von 100x50x80 empfohlen. Bei Ratten wird einem für dieselbe Anzahl Tiere ein Maß von 80x80x150 nahegelegt.

      5. Ratten/ Mäuse mit in die Natur zu nehmen ist kein Problem, da sie ja ursprünglich daher stammen.
Richtigstellung: Vorsicht. Das stimmt nicht im Mindesten. Natürlich kamen Ratten und Mäuse ursprünglich mal aus der Natur, aber durch die ganzen Züchtungen besitzen sie ein viel schwächeres Immunsystem als die wildlebenden Tiere. Da Ratten und Mäuse sich schnell Krankheiten einfangen und sehr anfällig sind werden sie fast immer krank und um das dann wieder loszuwerden, kann eine Tierarztrechnung schon mal in die Hunderte gehen.

      6. Ratten/ Mäuse sind dumm.
Richtigstellung: Ratten und Mäuse sind ganz und gar nicht dumm. Es sind sehr kluge Tiere, die immer beschäftigt werden wollen. Ratten haben einen ausgeprägten Geschmackssinn, der sie die kleinste Veränderung in der Futterzusammensetzung schmecken lässt. Sie können also auch erkennen was von dem Futter schädlich für sie sein kann und lassen dieses gezielt übrig.

      7. Ratten und Mäuse kann man zusammen halten.
Richtigstellung: Das ist absolut nicht der Fall. Jeder der versucht Ratten mit Mäusen zu vergesellschaften, muss sich auf Blut und tote Tiere gefasst machen. Auch wenn es im Aussehen und der Handhabung gewisse Parallelen gibt, sind diese Tiere grundlegend verschieden.

      8. Mäuse / Ratten haben einen Schwanz an dem man sie hochheben kann.
Richtigstellung: Fatalerweise wird oft angenommen, dass der Schwanz von Mäusen und Ratten ein praktischer Hebehenkel ist, an dem man die Tiere einfach hoch geben oder transportieren kann. Das ist vollkommen falsch! Beim hochheben kann die zarte Schwanzhaut verletzt werden was den Tieren höllisch weh tut und dem Besitzer eine hohe Tierarztrechnung erbringt. Man darf sich also nicht wundern wenn das sonst so zahme Mäuschen beim hochnehmen am Schwanz zu einer kleinen Bestie wird und die Zähne einsetzt.

      9.  Mäuse/ Ratten sind einfach zu halten, die brauchen nicht viel.
Richtigstellung: Diese Aussage ist vollkommen falsch! Mäuse und Ratten haben nicht nur einen enormen Platzbedarf, sondern sie müssen auch täglich mit Futter und Wasser versorgt und der Käfig regelmäßig gereinigt werden. Auch werden nicht alle Mäuse zahm und werden bei ignorieren des entsprechenden Abwehrverhaltens auch mal bissig. Außerdem sind Mäuse und Ratten hauptsächlich Nachtaktiv und häufiges wecken auf der Seite des Menschen, führt zu Stress beim Nager und kann sein Leben erheblich verkürzen.

     10.  Mäuse/ Ratten stinken.
Richtigstellung: Klar hat jedes Tier seinen Eigengeruch. So auch Ratten und Mäuse. Das kann vom Menschen als „stinken“ angesehen“ werden. Ob Mäuse nun sehr „stinken“ hängt größtenteils auch davon ab,  wie regelmäßig der Käfig sauber gemacht wird. Der Mensch ist also selbst schuld.

Artgerechte Farbmaushaltung :)

Farbmaus Info:
Charlie guckt neugierig um die Ecke, könnte ja sein dass sie irgendetwas verpasst..
Hier geht es heute um ganz quirlige Gesellen. Mäuse, um genauer zu sein Farbmäuse. Farbmäuse sind kluge, neugierige kleine Geschöpfe und brauchen viel Beschäftigung (wie Klorollen, Eierkartons, Äste, Seile mit Futter dran zum selber pflücken).
Es lassen sich viele schöne Sachen zum Bespaßen der Tiere basteln und es fordert immer wieder die eigene Kreativität etwas Neues für die Kleinen zu entwickeln.
selbstgemachte Cocosnussschaukel


Farbmäuse dürfen niemals alleine gehalten werden, denn sie sind Gruppentiere. Eine Maus alleine zu halten ist Tierquälerei, denn das Mäuschen fristet sein Dasein ohne jeden Artgenossen, ohne jeden Kontakt zu jemandem der es versteht, ohne die Wärme die eine Gruppe bietet. Das alles kann ein Mensch niemals ersetzen. Erst ab einer Gruppe von 4 Tieren fühlen sich die Mäuschen richtig wohl und das Rudel besteht.

Maus liebt nun mal eben Maus, da kann der Mensch sich noch so sehr anstrengen. Einen Mausigen Gefährten wird er nie ersetzen können.
Nun fragt man sich natürlich welches Geschlecht man sich denn zulegen soll.

Reine Böckchen-Gruppen sind fast unmöglich zu halten, da sie mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife anfangen sich gegenseitig zu bekämpfen. Eine reine Weibergruppe ist dagegen meist harmonisch und auch sehr zu empfehlen. Die Haltung die den natürlichen Bedingungen am ehesten entspricht, und gleichzeitig nicht unerwünschten Nachwuchs verspricht, wäre die Haltung: ein Kastrat und mehrere Weibchen. An sich ist diese Haltung sehr empfehlenswert, allerdings ist das Risiko bei einer Kastration relativ hoch, da sich erst sehr wenige Tierärzte damit auskennen und da die Hoden der kleinen Mäusemänner sich in den Körper zurückziehen können, ist die Operation nicht ganz einfach zu vollziehen.
Eine Gruppe von Ein- oder Mehreren nicht kastrierten Böcken zusammen mit ein- oder mehreren Weibchen ist unverantwortlich, denn in kürzester Zeit hat man eine ganze Mäuseschwemme und man verliert jegliche Kontrolle über die Anzahl der Tiere, da Mäuseweibchen gleich nach der Geburt der Jungtiere wieder gedeckt werden können. Außerdem wirken die ständigen Geburten sich schnell negativ auf die Gesundheit der Weibchen aus und die Männer sind nach der Geschlechtsreife absolute Rivalen. 

Farbmäuse werden etwa 1,5 -2,5 Jahre alt wobei es natürlich sehr variieren kann.
Ihr Gewicht beträgt etwa zwischen 25 – 60g. Allerdings gibt es auch Mäuse in der Farbe "Red" die zur starken Fettleibigkeit neigen. Diese gehören nach der Meinung vieler Mäusehalter genauso wie Nacktmäuse, Schwanzlose Mäuse, Locken-Mäuse (Mäuse mit langen Haaren, deren Tasthaare sich kräuseln und oft in die Augen wachsen sodass die Tiere nicht selten unter Augenentzündungen leiden) und so genannte "Tanzmäuse" (diese Mäuse hüpfen unkontrolliert) oder "Kreiselmäuse"(diese Tiere drehen sich zwanghaft im Kreis) zu den Qualzuchten.  Man sollte unbedingt die Tiere regelmäßig wiegen um zu beobachten ob sich ihr Zustand verändert. Eine plötzliche Zu- oder Abnahme kann auf eine Krankheit hindeuten. Allerdings ist ein hoher Gewichtsunterschied (auch zwischen Geschwistern) durchaus normal.
Penelope 28g







Junkey (56g) neben Schwester Penelope (28g)
































Ein prüfender Blick sollte ebenfalls täglich auf die Tiere geworfen werden, bei dem man schaut ob das Fell der Mäuse glatt und glänzend und nicht struppig und stumpf ist, die Augen klar und nicht verklebt, die Bewegungen geschmeidig und nicht verkrampft sind und das Tier agil ist und nicht abwesend in einer Ecke sitzt.
Panda ist eine gesunde Maus. Die Augen sind klar,das Fell ist glänzend und die Bewegungen sind flüssig.

Wer glaubt Mäuse in einem handelsüblichen 40x30 Käfig halten zu können der hat sich gewaltig geschnitten (das ist noch nicht mal das Mindestmaß!). Die meisten Käfige die man in einem Zoogeschäft erwerben kann, sind absolut nicht artgerecht. Mäuse haben einen enormen Platzbedarf. Oft sind die Käfige daher viel zu klein, bestehen aus dem falschen Material und bieten zu dem keine Klettermöglichkeiten. Meiner Meinung nach, und der gewisser guter Internetseiten, ist das Mindestmaß auf 100x50x80 zu erweitern.



 Zu Beschäftigung der kleinen Nager muss man sich so einiges einfallen lassen. Mäuse lieben Klo- und Küchenrollen, weil sie sich in ihnen sicher fühlen, deshalb sollten möglichst viele davon angeboten werden. Auch Eierkartons werden zerrupft und als Nester genutzt. Jede Menge Heu gehört zu jeder guten Beschäftigung und jeder guten Ernährung dazu. Damit wird dann ein Nest gebastelt und im Halbschlaf gefuttert. Auch sind so genannte „Heunester“ sehr sinnvoll. Einerseits bieten sie einen Unterschlupf und andererseits etwas zum knabbern. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass das „Gerüst“ nicht aus Draht sondern Holz ist, da die Kleinen sich sonst böse daran verletzen könnten. Wie oben schon erwähnt, gibt es endlos viele Möglichkeiten den kleinen Nagern ein paar schöne Sachen zu basteln.
Zum Ende hin noch mal ein paar Beispiele:
selbstgebastelte Treppe aus Eisstäbchen und einem Holzstück
Klorollenturm zusammengeklebt mit ungiftigem Ponal Classic
Futterschaukel aus einer Stange von einem Friesenbäumchen und einem kleinen Tontopf





























Noch ein paar Worte:
Farbmäuse sind sehr klein und niedlich man wird leicht dazu verleitet diese kleinen Tiere zu unterschätzen. In ihrere Intelligenz und in ihren Bedürfnissen. Die kleinen Racker haben eine unglaubliche Neugierde, wollen Beschäftigung und Bewegung und ein großes Heim mit möglichst vielen Artgenossen. Es ist nicht leicht all ihren Bedürfnissen gerecht zu werden und man sollte gut überlegen ob man sich solche Tiere anschaffen will, denn man muss ein ganzes Stück Zimmer aufgeben um den Käfig unter zu bringen und man muss überlegen was ist wenn man mal die Mäusehaltung aufgeben will. Ein oder mehere Mäuse werden immer übrig bleiben. Diese muss man dann weitervermitteln. Nicht jeder kommt damit klar, die restlichen Tiere abgeben zu müssen.  
Und auch wenn Mäuse so winzig klein sind, verdienen sie Respekt und ein Recht auf ein artgerechtes Zuhause.